Rassegna Stampa

4 Maggio 2012

Folge ”“ Selen und die Amphorenweine


Video:

http://weinamlimit.de/2012/05/04/18-folge-selen-und-die-amphorenweine/

 

Die Frauenquote bei Wein am Limit steigt weiter. Das ist gut so, denn das Weingeschäft ist längst keine Männerdomäne mehr. Heute ist die Hamburger Sommelierschülerin Selen Langbein zu Gast bei mir im HQ.

Wir probieren drei Weine, über deren Herstellungsweise in der letzten Zeit viel gesprochen wird. Es handelt sich um eine uralte Herstellungsmethode: das Vergären und Lagern in der Amphore. Für einige ist das esoterischer Quatsch, aber durch die zunehmende Bedeutung von Bio und Biodynamie hat diese altmodische Weinbereitung eine Menge Freunde gefunden. Sie steckt zwar nach wie vor in den Kinderschuhen, aber einige der weltbesten Weinproduzenten haben sich des Themas angenommen. Ein untrügliches Zeichen, dass man diese Methode ernst nehmen sollte.

Die Vorteile der Amphore sind, dass sich das Material Ton nur langsam erwärmt, es geschmacksneutral und atmungsaktiv ist. Des Weiteren schwören einige Winzer auf die rundliche Form des Gefäßes, die einen besonders harmonischen Einfluss auf die Bewegung der Moleküle haben soll.

Doch der entscheidende Grund ist, dass die Arbeit mit der Amphore eine Rückkehr und Auseinandersetzung mit alten Traditionen bedeutet. Wie schnell fegt der Zeitgeist heute alles weg, was früher einmal war? Wir schaffen zwar täglich neues Wissen, zerstören aber auch häufig das alte, bewährte. Für viele Winzer ist es aber auch die Chance, altes und neues Wissen miteinander zu verbinden. Die beste Form der Tradition.

Sicherlich werden Amphorenweine weiterhin eine (nicht ganz günstige) Nische bleiben. Sie aber als Hokuspokus abzutun, ist grundlegend falsch. Die Aromatik ist stark vom Sauerstoff geprägt und fällt damit auch komplett aus dem Rahmen. Also, solche Weine erfordern Offenheit und Neugier.

Leider gibt es heute nur noch wenige Menschen, die um das richtige Material und die handwerkliche Fertigung dieses „beidseitigen Trägergefäßes“ wissen. Die besten Handwerker und Material, so sagt man, finden sich Spanien.

Der erste Wein stammt aus dem Rheingau. Das Weingut Peter-Jakob Kühn gehört zur Spitzengruppe der Produzenten an den Hängen des Taunus. Schon vor Jahren wechselte er aus tiefster Überzeugung vom konventionellen zum biodynamischen Weinbau. Seine charaktervollen Rieslinge fordern den Konsumenten und sind immer etwas ganz besonderes. Dieser Riesling war über zwei Jahre in der Amphore. Er hat einen honigartigen Duft, der an Weinbergspfirsich und Aprikose erinnert. Ein starker Stoff mit einer fantastisch cremigen Textur. Sagenhaft!

Der “Sgarzon“ von der Trentiner Winzerin Elisabetta Foradori wurde über acht Monate in der Amphore ausgebaut. Dazu werden die Gefäße in Weinbergserde zu zwei Dritteln vergraben und mit der Maische befüllt. Dann wartet man auf die spontane Vergärung der natürlichen Hefen, die sich auf den Trauben befinden. Der Maischekuchen wird von Hand zur besseren Extraktion von Farbe und Geschmack täglich untergetaucht und feucht gehalten. Wenn die Gärung vorbei ist, werden die Amphoren fest verschlossen und bleiben bis zur Füllung mit den Schalen in Kontakt. Die Lage Sgarzon ist eine kühle Lage auf sandigem Boden, die mit der autochtonen Trentiner Rebsorte Teroldego bepflanzt ist. Dieser Wein ist der blanke Wahnsinn. So unglaublich pur und rein. Kein Blockbuster, sondern ein Wein mit filigraner Frische. Weltklasse!

Den Abschluss bildet ein Wein aus der Wiege des Amphorenanbaus, Georgien. Das Weingut Schuchmann liegt in Kachetien, der wichtigsten Weinprovinz des Landes und ist „State of the Art“.

In Georgien nahm vor 7000 Jahren alles seinen Anfang mit dem Weinbau. Noch heute ist die Nähe zum Amphorenausbau hier am ausgeprägtesten. Die robuste und hochwertige Saperavitraube ist, wenn richtig vinifiziert, ein absolutes Trinkerlebnis. Nichts für den weichgespülten Gaumen. Sie ist tiefschwarz, würzig in ihrem Duft und lange haltbar. Leider haben sie nur wenige Weintrinker auf ihrem Radarschirm. Das Klima in Georgien ist ideal für den Weinbau und schon seit Jahrtausenden die Wiege des Weinbaus. Sie wird geprägt durch kühle Einflüsse vom Kaukasus und das maritime Klima vom Schwarzen Meer und der Krim.

Im Unterschied zu den beiden anderen vorgestellten Weinen wurde der Saperavi nur für drei Wochen im „Quevri“, so nennt man hier die Tonamphoren, vergoren. Diese haben sogar 3000 Liter Fassungsvermögen. Danach wurde der Wein im Holzfass weitergereift. Deswegen weicht er auch stilistisch von den anderen hier vorgestellten Weinen deutlich ab.

Der 2005 Vinoterra Saperavi hat jetzt seine erste Reife erreicht und riecht nach schwarzen Trüffeln, Gewürzen und dunklen Früchten. Ein ungestümes Erlebnis, das weder filtriert noch geschönt abgefüllt wurde. Sicherlich das Aushängeschild dieses noch recht jungen Unternehmens und ein Beweis dafür, dass es hinterm Horizont weitergeht.

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