Rassegna Stampa

22 Ottobre 2014

vinum Oktober 2014, Mutter Natur

Winzerlegende:Elisabetta Foradori

Der Titel zu diesem Artikel könnte ebenso gut «Die Königin des Teroldego» lauten.Elisabetta Foradorihat der Trentiner Heimsorte vor Jahrzehnten zu neuem Ruhm verholfen. Ihre wahre Bestimmung aber hat die Winzerin erst vor wenigen Jahren gefunden – in natürlichen Weinen aus biodynamischem Anbau.

Text: Christian Eder, Fotos: Hans-Peter Siffert

Elisabetta streicht einer Kuh über die Stirn, krault das Kraushaar des Tieres und sagt träumerisch: «So stelle ich mir meine Zukunft vor: auf einer Alm mit meinen Kühen. Und aus deren Milch mache ich dann Käse».Elisabetta Foradori, einst als Königin des Teroldego bezeichnet, fährt mit uns am frühen Morgen in ihre Weinberge, die sie an den steilen Hängen bei Trento, der Hauptstadt der Region, gepachtet hat. Dort, in Fontanasanta auf 450 Metern über Meer, wachsen vor allem weisse Rebsorten: Manzoni Bianco, eine Kreuzung aus Rheinriesling und Pinot Blanc, und Nosiola, eine alte Trentiner Rebsorte, gedeihen prächtig auf den lehmigkalkhaltigen Böden. In dem ehemaligen Jagdrevier hat Conte Simone Consolati, Konsul in Trento unter dem Bischof von Thun, im Jahr 1815 eine prunkvolle Villa errichten lassen. Das Gebäude steht wie eine Festung an der Zufahrt zu den Weinbergen und bewacht ebendiese.

«Wir hatten das Glück, hier alte Reben zu finden», erzählt Foradori, «früher waren im Trentino grosse Flächen mit Nosiola bestockt, aber die produktive Traube wurde dann zugunsten von Pinot Grigio und Müller-Thurgau ersetzt.» Zu Unrecht, wie sie meint, denn gerade Nosiola habe eine ganz eigene fruchtig-mineralische Aromatik und eine feine Säure, die sie sehr interessant mache. «Die Traube zeigt ihre Komplexität nur auf armen Böden und ergibt dann sehr feine und langlebige Weine.»

Biodynamie für Balance

Alles sieht sehr gesund aus in Fontanasanta, nicht nur die Reben, auch das Getreide dazwischen und die Vegetation rundherum. Selbst die Hühner gackern glücklich, und die Kühe geniessen faul die Morgensonne. Es scheint fast, dass durch den natürlichen Rhythmus, den die biodynamische Lehre Rudolf Steiners und der Mond vorgeben, alles mehr in Balance ist als anderswo. Elisabetta lacht ob meiner Beobachtung, gibt mir aber recht. Seit sie 2002 auf biodynamische Landwirtschaft umgestellt hat, hat sich ihr Leben verändert.

Auch im Keller ihres Weingutes in Mezzolombardo hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan: Die Nosiola zum Beispiel lässtElisabetta Foradoriin Amphoren vergären, ebenso wie ihre Teroldego-Einzellagen. 2008 hat sie erstmals Terrakotta-Gefässe eingesetzt, heute hat sie fast hundert dieser400 Literfassenden Behälter im Keller. Produziert werden diese in Villarobledo in Spanien. Bis Ende April bleibt die Nosiola auf der Hefe. Elisabetta sieht das als «Expresszug zu hoher Qualität».

Nach dem Morgen in den sonnigen Reblagen von Fontanasanta ist es eine  Wohltat, im kühlen Keller in Mezzolombardo zu stehen. Während wir Elisabettas Terrakotta-Armee betrachten, erklärt sie uns, dass die Arbeit mit den Amphoren sehr viel Instinkt und Bauchgefühl verlange. DochElisabetta Foradoribevorzugt das ganz klar gegenüber technischen Lösungen.

Auf die Amphoren hat sie ihr Freund Giusto Occhipinti vom Weingut COS gebracht: Der sizilianische Winzer hat im Jahr 2000 selbst begonnen, seinen Cerasuolo di Vittoria in Ton zu vinifizieren. Die Amphoren in Elisabettas Keller auf dem elterlichen Weingut sind allerdings nicht wie bei Josko Gravner oder Giusto Occhipinti in den Boden eingegraben, sondern stehen frei im Raum, durch eine Holzkonstruktion gestützt. Fast liebevoll  streicht Elisabetta über die bauchigen Tongefässe, kontrolliert die Farbe des Weines in einem kleinen Glaszylinder.

Der Ton passe perfekt zur biodynamischen Philosophie von Rudolf Steiner, meint sie, und damit auch zu ihrer eigenen. Lange hat sie gebraucht, ihren Weg zu finden, lange, seit sie 1984 den elterlichen Betrieb in der Piana Rotaliana an der Grenze zwischen Trentino und Südtirol übernommen hat. Es blieb ihr keine andere Wahl: Sie war die einzige Tochter, ihr Vater war gestorben, als sie zehn war. Der Besuch der önologischen Schule im nahen SanMichelewar da bereits vorbestimmt. Und auch die Produktion von Weinen aus der Teroldego-Traube –schliesslich haben ihr Vater und Grossvater das auch schon getan.

Hüterin des Teroldego

Die dunkelbeerige Rebsorte Teroldego gedeiht fast nur in der Piana Rotaliana an der Grenze zwischen Südtirol und Trentino und bringt reinsortig gekelterte Weine hervor, die nach Veilchen, Himbeeren und Gewürzen duften. Erwähnt wurde die Traube zum ersten Mal im Jahr1480 ineinem Kaufvertrag, der in Trento geschlossen wurde. Darin ist die Rede von «zwei Bütten vergorenem, gutem Teroldego-Wein». Es wird vermutet, dass der Name vom Ausdruck «Tiroler Gold»stammen könnte, einer Reminiszenz des Trentino als Teil Tirols und damit Österreichsund auch eine Erinnerung daran, dass der Wein zu Zeiten der Habsburgermonarchie im ganzen Reich verkauft wurde.

Teroldego war schon immer eine sehr produktive Traube, und bis heute sehen die Produktionsregeln für den Teroldego Rotaliano DOC Höchsterträge von 119 Hektolitern pro Hektar vor – der höchste für einen italienischen DOC Wein erlaubte Maximalertrag. Eine Basis für einen zuverlässigen  Trinkwein, aber eben auch nicht mehr.

Die junge Elisabetta war damit nicht zufrieden. Sie begann daher bereits 1985, eigene Teroldego-Klone zu selektionieren, 15 Stück wurden registriert. Mit 23 heiratete sie den in Südtirol ansässigen Agrarphilosophen Rainer Zierock, der den legendären Dolomytos kelterte, und bekam Kinder. Ihre Arbeit mit dem Teroldego zeigte schnell Erfolg:Elisabetta Foradoriwurde innerhalb weniger Jahre zu einer der bekanntesten Winzerinnen Italiens. Der Granato, ihr im kleinen Holzfass ausgebauter Teroldego, wurde bald zu einem der renommiertesten Weine südlich des Brenners. Die Ehe währte nicht und Elisabetta widmete sich wieder der Arbeit, neuen Projekten. Gemeinsam mit zwei Partnern investierte sie in ein Weingut an der toskanischen Küste: Ampeleia. Doch der Boom in der Maremma kam bald ins Stocken, Ampeleia begann bald, mehr Geld zu verschlingen, als sie mit ihrem Weingut in Mezzolombardo erwirtschaften konnte. «Ende der 1990er Jahre kam mir das alles wie ein bodenloses Loch vor», erinnert sie sich, «mit dem konventionellen Weinbau war ich an meine Grenzen gestossen.»

Elisabetta begann, Alternativen zu suchen. Die Lehre von Rudolf Steiner passte wie die Faust aufs Auge, 2002 begann sie, biodynamisch zu arbeiten. «Es ist ja nicht so, dass wir vorher nur mit der chemischen Keule hantiert haben, daher ging die Umstellung eigentlich ohne Probleme vor sich», sagt sie, «aber insgesamt hat es doch sieben, acht Jahre gedauert, bevor ich sagen konnte, das ist jetzt so, wie ich mir das vorstelle: gesunde Reben zu sehen und ebensolchen Wein zu kosten. » Die Amphoren waren da nur noch das Tüpfelchen auf dem i. «Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass auch Terrakotta ein Produkt der Erde ist, ebenso wie der Wein. Dass sich die beiden gut vertragen, wusste man eigentlich schon vor Jahrtausenden.»

Elisabetta ist keine Person, die sich auf ihren Lorbeeren ausruhen würde. Neue Projekte stehen an, erzählt sie uns, während wir uns im Garten ihres elterlichen Weingutes in Mezzolombardo im Schatten niederlassen, umringt von ihren gesunden Rebstöcken. So hat sie begonnen, Teroldego-Direktträger aus den Samenihrer Reben zu ziehen. Ein Rebberg mit 5000 Stöcken wurde bereits angepflanzt, und 300 dieser Stöcke wurden selektioniert, erzählt sie, aber das sei ein Projekt, das Generationen dauere.

Schnellere Ergebnisse verspricht ein Projekt mit ihrer lokalen WinzervereinigungDolomitici, in dem sie sich mit zehn gleichgesinnten Winzern den Rebsorten der Dolomitenregion widmet. Ganz besonders hat es ihr Enantio angetan, eine rote Varietät, die im südlichen Etschtal reift und «überraschend langlebige Weine » hervorbringt.

Auf die Bedürfnisse hören

Doch bei aller Initiative und Umtriebigkeit darf heute auch das Private bei Elisabetta nicht mehr zu kurz kommen: Ab Freitagmittag ist sie nicht mehr im Betrieb erreichbar, macht auch, wenn es zu vermeiden ist, keine Termine aus. Die Wochenenden gehören ihrem jüngsten Sohn und ihrem Haus über Salurn an der Grenze zwischen Südtirol und Trentino, weit weg vom Wein.

Und selbst mit Ampeleia sei sie inzwischen im Reinen, erzählt sie: Seit einigen Jahren habe sie das Terroir begriffen, die unterschiedlichen Reblagen, die sich von Zonen nahe der Küste bis fast auf400 Metererheben. Statt nur eines toskanischen Weins produziert sie hier inzwischen vier. Selbst ihren Garten pflegt Elisabetta nach biodynamischen Prinzipien: Der Salat, den sie uns zum Mittagessen kredenzt, ist grüner und saftiger als der aus dem Supermarkt. Die Salami und der Schinken kommen von kleinen lokalen Produzenten, nur beim Brot greifen wir auf Konventionelles zurück: Die Brötchen aus dem Bioladen haben einfach keinen Geschmack. Insgesamt geht es Elisabetta heute ruhiger an. «Ich habe gelernt, das Leben mehr zu geniessen, meine Familie, meine Freizeit.» Ihr strahlendes Lächeln ist wie eh und je, nur an den grauen Strähnen im langen Haar merkt man, dassElisabetta Foradoriim nächsten Jahr 50 wird. Ihr ältester Sohn Emilio hat gerade ein Praktikum in Feuerland hinter sich, jetzt in der Lesezeit steht er aber wieder in den eigenen Rebbergen in Mezzolombardo. Wenn er oder eines der anderen Kinder eines Tages das Weingut übernimmt, dann wird sich Elisabetta vielleicht wirklich mit ihren Kühen auf eine Alm zurückziehen, Butter rühren und Käselaibe formen. Wie sagte sie noch, beim Abschied: «Es braucht Zeit, da anzukommen, wo man hinwill. Spät, aber doch haben wir begonnen, zuzuhören, was die Natur uns sagen will.»

Elisabetta Foradoriwurde der Weinbau in die Wiege gelegt: Als einzige Tochter und Erbin des 1901 gegründeten Weinbaubetriebs übernahm sie nach dem frühen Tod ihres Vaters mit nur 20 Jahren die Verantwortung. Bald begann sie, die Erträge zu reduzieren und neue Techniken wie Barriques einzusetzen. 1986 lancierte sie den Super-Teroldego Granato, der bald regelmäßig drei Gläser im «Gambero Rosso» einheimste. In den 1990er Jahren investierte Foradori in ein Weingut an der toskanischen Küste: Ampeleia – bis heute ihr zweites Standbein. Der Umschwung im eigenen Haus fand im Jahr 2002 statt. Die Winzerin begann, biodynamisch zu arbeiten, 2008 folgten die Amphoren. Neue Weine wurden kreiert. Aktuell werden die Trauben von 26 Hektar verarbeitet – 80 Prozent davon sind Teroldego, 15 Prozent Manzoni Bianco und 5 Prozent Nosiola. Produziert werden 160 000 Flaschen.

Elisabetta ForadoriRadikal eigenständigElisabetta Foradoris Weine zählen zwar schon lange zu den besten des Trentino, aber noch nie waren sie so eigenständig wie heute. Sie keltert Weine mit Seele, die ihre Herkunft und den Charakter des jeweiligen Jahrgangs ungeschönt zum Ausdruck bringen.


Fontanasanta – Manzoni Bianco Vigneti delle Dolomiti IGT 2012

15.5 Punkte | 2015 bis 2017

Erst Ende September werden die Trauben der Lage Incrocio Manzoni oberhalb von Trento geerntet. Der Wein vergärt in Betonfässern und verbleibt anschliessend für zwölf Monate in Fässern aus Akazienholz. Seine exotische Fruchtaromatik und Komplexität sind in perfekter Harmonie mit der Säure, die ihn überraschend langlebig macht. «Ein Wein zum Essen», sagt seine MacherinElisabetta Foradori.


Fontanasanta – Nosiola Vigneti delle Dolomiti IGT 2012

16.5 Punkte | 2015 bis 2018

Der Wein bleibt für acht Monate auf den Beerenhäuten in den Amphoren – dadurch erhält er seine einnehmende Komplexität mit Nuss- und Heuaromen in der Nase, frischen Noten von grünen Äpfeln, guter Struktur und Länge. Braucht Belüftung und sollte nicht unter einer Temperatur von 15 Grad getrunken werden.

 

Morei – Teroldego Vigneti delle Dolomiti IGT 2012

16.5 Punkte | 2016 bis 2020

Acht Monate bleibt dieser Einzellagenwein in Amphoren auf den Beerenhäuten. Morei heisst übrigens im Trentiner Dialekt «dunkel, schwarz», und das passt wiederum zur Aromatik dieses Weines. Im Bouquet wunderbare Kirschnoten, am Gaumen ein kerniger, komplexer Charakter, Länge.

 

Sgarzon – Teroldego Vigneti delle Dolomiti IGT 2012

17 Punkte | 2016 bis 2021

Sgarzon stammt aus der gleichnamigen Einzellage. Dort herrscht ein frisches Klima, das zur Finesse des Weins beiträgt. Der Cru Sgarzon bleibt acht Monate in Amphoren auf den Schalen: komplexe Aromatik, am Gaumen frisch und doch harmonisch, von grosser Länge.

 

Foradori – Teroldego Vigneti delle Dolomiti IGT 2012

15.5 Punkte | 2015 bis 2017

Eine Assemblage verschiedener Reblagen am Campo Rotaliano, grossteils auf sandigen Böden. Vergärt in offenen Stahlfässern, reift anschliessend zwölf Monate im grossen Holz. Von einladender Saftigkeit, schöne Evolution, solides Kirschfinale.

 

Granato – Teroldego Vigneti delle Dolomiti IGT 2010

17.5 Punkte | 2016 bis 2021

Die Aromen des Granatapfels verleihen diesem Klassiker, der erstmals 1986 gekeltert wurde, seinen Namen. Die Trauben werden in den Reblagen Vignai, Cesura und Regin gelesen. Der Wein fermentiert in offenen Bottichen und reift 15 Monate in Holz, bevor er abgefüllt wird. Opulente Nase, die mit der Belüftung an Charakter gewinnt; am Gaumen perfekt ausbalanciert, langer, eleganter Abgang. 2010 ist, soElisabetta Foradori, einer der schönsten Granato-Jahrgänge bislang.

 

Ampeleia – Ampeleia Maremma

Toscana Rosso IGT 2011

16.5 Punkte | 2016 bis 2020

Viel Cabernet Franc, etwas Sangiovese und noch weitere fünf Rebsorten des Mittelmeerraums ergeben diesen Wein vom gleichnamigen Weingut in Roccastrada in der Toskana. Die Trauben stammen von Weinbergen in drei verschiedenen Höhenlagen. 16 Monate im Holzfass plus 12 Monate Flaschenlagerung sorgen für einen intensiv fruchtigen Wein von überraschender Eleganz und Finesse.

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