Rassegna Stampa

21 Marzo 2012

Selects, American Express

Neuer Geschmack aus antiken Gefäßen – Weine aus der Amphore

Von Paula Bosch

Authentische weine, die ihre Natürlichkeit und Ursprünglichkeit beibehalten, die sich in ihren Geschmacksprofil so eindeutig wie möglich präsentieren, waren das ziel, das Bernard Ott von Augen hatte, als er sein Projekt. „Amphorenweine“ startete. Der als Mister Veltliner bekannte Winzer hatte in seiner Heimat Österreich im knapp zwei Jahrzehnten neue Dimensionen für die Rebsorte „Grüner Veltliner“ eröffnet.
Ott hat vor zwanzig Jahren Weinberge von seinen Elter übernommen, die nicht Jahr für Jahr mit chemischen Methoden behandelt worden waren. Biodynamik war zwar längst bekannt, wurde aber erst langsam, schritt für schritt umgesetzt. Ott erkannte schnell, dass die natürliche Bodenbearbeitung für die Qualität und das Wachstum der Reben von elementarer Bedeutung war. Er stellte den betrieb konsequent darauf eine und erzielte beste Ergebnisse. Seine grünen Veltliner zählten bald das besten des Landes.
Ott schwebte aber eine art Symbiose zwischen Weinberg und Keller von, die noch mehr aus seinen biodynamisch bearbeiten Weinbergen und deren Trauben machen würde. Dabei wurde ihm aber auch klar, dass sie mit seinem technisch bestens ausgestatteten Keller und den blitzblanken Edelstahltanks nicht zu erreichen war. Seiner Meinung nach war der Technik-boom auf dem Höhepunkt angekommen und der einzige weg zu mehr beziehungsweise anderer Qualität konnte nur „zurück zu den wurzeln“. Sein. Das bedeutete aber auch die Akzeptanz antiker Methoden und gefaesse beim Ausbau der weine, ton anstatt holz und Edelstahl.
Hier scheiden sich noch die Geister im Weinfass, doch derartige Entwicklungen wurden schon in anderen brauchen, etwa der Bekleidungsbranche, beobachtet. Vor einengen Jahrzehnten war man vor der Entdeckung der Kunstfaser begeistert und man konnte über eine größere Zeitspanne kein Stück Stoff ohne diese Faser kaufe – heute liebt man wieder die Natürlichkeit: Seide und Baumwolle.
So werden die Weine aus der Amphore mit ihrem eigenen, markanten Geschmacksbild auch nicht jedermanns Lieblingswein werden, aber auch des Preises wegen in der Rubrik Prestigeweine in den Sortimenten ihren Platz finden.
Bernhard ließ Ott in Georgien, bei einem der letzten fünf Produzenten, Tongefässe in unterschiedlichen Grossen, mit einem Fassungsvermögen bis zu 2.500 Litern anfertigen. Die tönernen Behälter, man nennt sie dort Kvevris, werden direkt in einem Schuppen am Weingarten in die Erde eingegraben und mit den besten Trauben aus der Ernte 2009 gefüllt. Anschließend wurden die Behälter verschlossen. Die ganzen entrappten Beeren ruhten und gärten fünf Monaten vor sich hin.
Beim Offnen der Gefäße lagen die Beeren unversehrt wie rote Kugeln am Boden, sie blieben während des Gärprozesses bis auf ihre Farbe unverändert. Der Most, später der Wein, entzog der Frucht in ungequetschtem. Zustand sämtliche Inhaltsstoffe von ganz alleine. Der fertige Wein präsentierte sich dann glasklar mit einem total verschlossenen Duft. Im Mund frisch, jugendlich, fruchtig, blitzblank, gerbstoff- und säurereich im Geschmack. Gute, sehr gute, tiefe Komplexität, aber im ersten Moment ungewohnt. Was hier in der Amphore alles vor sich geht, bleibt bei diesen ersten Versuchen noch unklar. Fest steht aber, dass durch den Porösen Ton ein Austausch mit der äußeren Umgebung entsteht, auch – mal mehr, mal weniger – Sauerstoff kommt hinzu, daher auch der teils oxidative Geschmack. Der Wein lebt, entwickelt seine Eigendynamik in der Amphore, so wie im Holz, ganz im Gegensatz zu Weinen, die in Edelstahl reifen. Einmal geöffnete Flaschen können tagelang offen bleiben, sie verbessern sich mit zunehmender Sauerstoffzufuhr, bleiben stabil. Weshalb? Fragen an die Amphore!
Der zweite Jahrgang des Ott’schen Grünen Vetliners reift inzwischen in den antiken Behältern –ich bin voller Neugier, was dabei rauskommen wird. Sicher ein großer, ganz individueller Wein. Auf der suche nach neuen Warten in der Weinherstellung wurde aber nicht nur Bernard Ott Fündig. In Österreich, Deutschland und Italien gibt es inzwischen einige namhafte Winzer, die Weine in Amphoren ausbauen. Im Friaul gibt Josko Gravner als der Pionier der Amphoren. Er war der erste ernt zu nehmende Winzer mit dem Ausbau in diesen Tongefäßen. Er blieb damit allerdings jahrelang erfolglos, bei den Weinkennern und der Fachwelt umstritten, weil nicht viele Konsumenten sich mit den trüben, hochfarbigen, oft sehr animalisch duftenden weinen anfreunden konnten. Seine weine, die er nicht nur in kleinsten Mengen produziert (das Weingut ist komplett darauf eingestellt), wurden andererseits aber auch in der Fachpresse als di besten ihrer art anerkannt. War Gravner seiner Zeit voraus?
Im Trentino ist Elisabetta Foradori, die große Dame des Teroldego, mit zwei weißen und zwei roten Amphorenweinen erfolgreich. Sie hat die experimentelle Phase so gut wie hinter sich und baut in 20 Amphoren a 400 Liter eine erstaunliche Menge für ihren Betrieb aus. Die Weine: Nosiola (weiß) und Teroldego (rot) konnte ich 2009 und kürzlich die blutjungen 2010er verkosten. Momentaufnahmen, die aber einen sehr guten Eindruck hinterlassen haben. Nicht mehr artfremd, sonder klar in ihrer Erscheinung. In der Nase sauber mit klaren Duftnoten aus der Welt der Gräser, Kräuter und Früchte. Erdige und auch ein Hauch vegetabiler Töne. Babys, ähnlich barocken, pausbackingen Engelsgesichtern, die eine lange Strecke der Entwicklung vor sich haben.
Mein Fazit auf dem Weg und der Suche zu neuen Geschmackprofilen ist, dass die Amphorenweine sicher keine Weine sind, die von der Mehrheit der Weintrinker akzeptiert werde, aber sie sind auch schon weit von der anfänglichen Verkehrstauglichkeit entfernt. Die Hausaufgeben sind gemacht, die Entwicklung der Weine, ihrer Geschmackprofile, ist jetzt erst mal eine Frage der Zeit.

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