Rassegna Stampa

24 Aprile 2018

WINE-TIMES

Bio-dynamischer Anbau. Ton-Gefässe. Und Ideen.

Manchmal kommt alles anders als man denkt. Das kann allerdings auch sehr spannend sein. Vor allem dann, wenn einer ganz anders tickt, als man vermutet. 

Es ist ein knappes Jahr her, als ich mit Emilio Zierock in Salzburg versumperte. "One of those nights", würden die Briten sagen. Irgendeine dieser Wein-Veranstaltungen. Ich weiss gar nicht mehr welche. Wir hatten Hunger und unbändigen Durst. Und ich kenne das Lokal, wo man auch lange nach Mitternacht noch wunderbar essen kann. Bei Miesmuscheln um drei in der Früh diskutierten wir über alles Mögliche. Nur nicht über Wein. Den tranken wir einfach. Sehr viel offensichtlich, denn ich erinnerte mich um neun in der Früh, als mir die Klosterschwester klar machte, dass ich das Zimmer nun zu verlassen habe, nicht einmal mehr, wer der dritte im Bunde war.

Nicht rühmlich. Aber ich erinnerte mich an sehr gute Gespräche. Und an diesen jungen Mann, der eigentlich gar nicht in diese unglaublich grossen Schuhe seiner Mutter schlüpfen wollte, sondern in Deutschland Philosophie studiert hatte. Verständlich. Denn man nannte nie seinen Namen. Er war einfach immer nur der Sohn der legendären Mutter. Auch ich schrieb Artikel über sie. Einen hab ich letztens nach zig Jahren gelesen und dachte mir, eigentlich hab ich da fast eine Liebeserklärung geschrieben. Und ich fürchte, noch gestern hätte ich den Artikel ähnlich geschrieben. Ehrlich.

Und wie es der Zufall so will, wurde ich heute eingeladen, doch einfach mit zu fahren. Zum Weingut Foradori. Elisabetta Foradori war gar nicht da. Aber Emilio. Der Sohn.
 

Nein. Da steht nicht der Sohn. Da steht der Chef.

Selbstbewusst und eloquent. Scheut sich kein bisschen, zu erklären, was er anders macht. Eh schon seit Jahren. Mit durchaus markigen Sprüchen. Die vom alten Grantler aus Wien auch prompt hinterfragt werden. Das bringt den jungen Mann nicht ein einziges Mal in Verlegenheit. Im Gegenteil. Faszinierend erklärt er im Weingarten, warum er was wie macht - und erzählt von seinen Versuchen, die durchaus auch einmal schief gehen - siehe Headline.

Selten habe ich so viel Esprit und neue Ideen bei einem Wein-Produzenten gehört, wie in der kurzen Zeit mit Emilio im Weingarten und in den Kellern. Ja. Mehrzahl. Denn da gibt es Betontanks, ein bisserl Stahl und grosse Holzfässer. Die hunderten Barriques hat er bis auf die letzten "guten vierzig" ausgemustert. Und durch einen neuen Keller mit Ton-Gefässen ersetzt.
 

Amphoren? Quevri? Terracotta? 

Nein. Da gibt es einen Produzenten in Spanien. Einer der letzten, der noch die Unterschiede verschiedener Ton-Arten kennt. Jedes mit ein bisserl anderem Fassungsvermögen. Zwei davon hat er selbst grad kaputt gemacht. Aber die anderen füllen den grossen neueren Keller. Der alte, gemauerte Keller, ist ihm eigentlich lieber. Hat mehr Ausstrahlung, ist irgendwie "gemütlicher". Aber der neue, der ihm irgendwie "kalt" vorkommt, ist der, in dem seine "Babys" reifen. Die Einzel-Lagen-Weine.

Hunderte Tongefässe. Viele Experimente sind auch dabei. Die Deckel, die er extra anfertigen lässt, kosten mehr, als die Gefässe selbst. Alles in allem, pro Stück ungefähr so viel, wie ein gutes Barrique-Fass. Barriques kann man allerdings, selbst bei guter Pflege nur ein paarmal verwenden. Fünf, sechs mal vielleicht. "Aber irgendwann werden sie muffig". Die Tongefässe nicht. "Man kann sie wunderbar reinigen, kärchern, eh klar. Und immer wieder verwenden. Wenn man nicht patschert ist, und sie zerschlägt.

Kurz habe ich nachgedacht, ob mir der Nosiola aus der "Amphore" jetzt so gut schmeckt, weil Emilios Ausführungen mich in den Bann nahmen. Ob es die wunderbare Gesellschaft war - oder das gute Essen.

Also nahm ich mein Glas und ging vor die Tür.
 

Konzentration alter Mann. 

Klick. Das Zeug ist wirklich so gut. Also den Manzoni hinterher, den Morei, die anderen Teroldego und den Granato. Okay, Letzteren mochte ich ja immer schon. Sonst hätte ich ja nicht so viele Grossflaschen davon im Keller. Denn immer bei unserer Weinversteigerung fürs Integrationshaus musste ich die ja retten, wenn die nicht hoch genug gesteigert wurden. Aber das ist ein anderes Thema.

Inzwischen ist es halb drei Uhr nachts. Der Kirchtum versinkt im Regen-Nebel und bimmelt mich viertelstündlich an. Vielleicht weiss er ja, dass ich in knapp vier Stunden wieder raus muss.

Aber in meinen Ganglien rattert es. Denn Emilio stellte Grundsatzfragen. Warum soll man mit zwei oder fünf Klonen glücklich sein, auch wenn die noch so gute Ergebnisse erbringen? "Die haben ja keinen Sex" nennt er das. Und zieht Sämlinge aus den Kernen. Auch wenn da nur ein paar überhaupt überleben werden und eigentlich eine neue Rebsorte ergeben. Aber vielleicht werden die ja gut? Experimente mit allen möglichen neuen Variationen startet er.

Das wird ein extra Besuch, ein anderer Artikel. Demnächst.

Ich freue mich jetzt schon drauf. Denn vielleicht hat er ja recht. Wein immer nur mit Edelreisern zu vermehren, sichert zwar die jeweilige Rebsorte und natürlich die Resistenz gegen die Reblaus. Sie gentechnisch gegen Krankheiten zu verändern ist zwar mit pflanzlicher DNA inzwischen erlaubt, fast schon ein bisserl gespenstisch, aber macht wieder abhängig von Gross-Konzernen, die das finanzieren.

Eine Thematik, die lange Diskussionen bringen wird. Spannend.

Es ist lange her, dass mich ein Thema so eingenommen hat, dass ich mich noch in derselben Nacht hinsetzte, um sofort zu tippen. Ja nichts vergessen, wäre ja schade. Das ist wohl das beste Kompliment, das ich machen kann...

Danke Emilio Zierock für den spannenden Nachmittag und Abend - und danke Hermann Stöckmann von Smart Wines, dass du mich einfach mitgenommen hast.
 
© by Helmut Knall

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