Rassegna Stampa

18 Novembre 2013

Weinwisser, 18 November N° 11/2013

Für alle, die mehr über Wein wissen wollen

Italien

Teroldego im Aufwärtstrend
Von Wolfgang Hubert

Teroldego – die autochthone Sorte aus dem trentino – hat einen lange Leidensweg hinter und eine vielversprechende Zukunft vor sich. Wer die rote Diva versteht und mit ihr auf Augenhöhe umzugehen weiss, dem zeigt sie, welches enorme Potenzial in ihr schlummert, wie die Verkostungsnotizen unterstreichen.

Teroldego liefert süffige, fruchtige Rotweine mit einem Hang zum Banalitaetsniveau, sagen die einen. Die Sorte ist prädestiniert für hochkarätige, langlebige und – bei aller Eleganz – intensiv schmeckende Gewächse, behaupten ihre Fans, Tatsächlich haben beide Fraktionen recht. Der Grossteil der auf dem Markt anzutreffenden Weine liefert reichlich Belangloses für den Gaumen, denn die Sorte wird vor allem von den grossen regionalen Genossenschaften in der Regel als einfaches Tröpfchen für die bescheidene Küche ausgebaut. Leider, schließlich hat die erstmals im Jahre 1383 urkundlich erwähnte Sorte laut einer Analyse des Istituto Agrario di San Michele all’Adige u.a. eine enge genetische Verwandtschaft zu Lagrein und Syrah. Nun könnte man die Ansicht hegen, dass man im Laufe von 630 Jahren weiss, wie man mit einer Sorte am besten umgehen kann. Doch da sie hauptsächlich im Campo Rotaliano, daher auch ihr geläufiger Name Teroldego Rotaliano. Im Etschtal auf nur rund 400 Hektar wächst, scheint man sie al Nischenrebe gerne zu vernachlässigen. Um höhere Erträge zu erzielen, wurde ab den 1960-er Jahren zudem ein Klon gezüchtet, der innerhalb von etwas mehr als einem Jahrzehnt nahezu die alten Rebstöcke verdrängte und die Sorte zu einem Massen träger verkommen liess. Recht viel daran geändert hat sich seitdem nicht. Aber es gibt natürlich Ausnahmen, Welches Vergnügen ein Teroldego der Spitzenklasse wirklich bieten kann, das beweisen in erster Linie die Weingüter Foradori und Endrizzi.
Zu verdanken ist das ohne Zweifel Elisabetta Foradori, die 1985 nach alten Rebstöcken suchte, da sie schon damals von Potenzial der Sorte überzeugt war. „Für mich stellt der Teroldego die Synergie einer Rebe mit einem ganz bestimmten Talabschnitt des Etschtals, dem Campo Rotaliano, der sie ist untrennbar mit den Schwemmlandböden von Mezzolombardo und Mezzocorona verbünden. Sie ist das, wofür ich die letzten 30 Jahre gearbeitet habe: eine in Vergessenheit geratene Rebsorte, die dank unserer genetischen Selektion und der Biodynamie wiedergeboren ist“. So Elisabetta, die auch gleich die Gründe für die Ignoranz ihrer meisten Kollegen aufzählt. „Teroldego wurde lange Zeit als Fasswein verkauft oder zum Verschnitt mit anderen Sorten verwandet, da der Farbgehalt sehr hoch ist. Dazu ist der Wein gleich nach der Gärung und besonders in der Jugend durchaus charmant und bietet sehr viel Sauerkirsche und Waldbeeren sowie Veilchendüfte. Dies führte dazu, dass der Wein zu früh getrunken wurde und sein Alterungspotenzial unentdeckt blieb. Ausserdem sind rund neunzig Prozent der Teroldego - Produktion in der Hand von drei Genossenschaften. Die haben nie an diese Rebsorte geglaubt und die Produktionsziele sind anders“.
Nun sind die überzeugendsten Weine aus der Sorte, die sehr wahrscheinlich nach dem Ortsteil Teroldeghe der gemeinde Mezzolombardo benannt wurde, nicht allzu lange auf dem Markt. Zu den ganz grossen Jahrgängen der letzten zehn Jahre zählen 2009er und der 2011er, beide stellen auch den Hauptteil der Verkostungsnotizien und sind derzeit noch erhältlich. Für Christine Endrici, Mitbesitzerin des Weinguts Endrizzi, ist speziell der 2011er qualitativ einer der besten der letzten Jahrzehnte. „Der Sommer war nicht zu warm und hatte ausreichende Niederschläge. Die Wasserreserven im Endrici und die warmen Tagestemperaturen im August schufen ein aus gewogenes vegetatives Gleichgewicht, sodass die Trauben optimale Voraussetzungen für eine gute Reife hatten“. Das schmeckt man bereits, obwohl die Topweine dieses Jahrgangs ihre besten Seiten noch verbergen.
Damit können die Winzer leben, nicht jedoch mit der Preissituation, die vorwiegen den guten, aber nicht ganz grossen Erzeugern Sorgen bereitet. „ Die lokalen Grosskellereien und Genossenschaften praktizieren eine Politik, die gegen die Wertsteigerung des Teroldego, also durch eine Preissenkung geht. Das ist für uns und Trentino ein grosser Image-Schaden“, beklagt etwa Diego Bolognani.

Verkostungsnotizien

2009 Teroldego Granato IGT, Trentino
Mit ihrem Granatapfel betört Elisabetta Foradori seit Jahren die hochkarätige Teroldego-Fangemeide. Darunter auch René Gabriel, der ihm einmal als „erotischen Rotweingenuss voller Harmonie“ bezeichnete. Dann kann man sich nur anschliessen. Er ist einfach einer der ganz grossen Terroirweine des Landes. Im Glas zeigen sich nach und nach Aromen von Kirschen, Pflaumen, Heidelbeeren, Holunder und Brombeeren, Cassis, Veilchen, würzige Noten und etwas Roestaromen. Am Gaumen entfalten sich vorwiegend Brombeeren und Cassis, dazu würzige Akzente, kombiniert mit enormer Dichte, >Samtigkeit, Kraft, Eleganz, harmonisch eingebundenen Tanninen, feiner Saerestruktur. Mineralischen Akzenten und einem sehr langem fruchtig würzigen Nachhall. Elisabetta ist der Überzeugung dass am ihrem Granato vor dem Geniessen wenigstens sieben Jahre Zeit zur Entfaltung lassen sollte.
18+/20

2011 Teroldego Morei IGT Foradori
Mit den Langenweinen Morei und Sgarzon hat Elisabetta erstmals mit dem 2009er-Jahrgang einen neunen Weg beschritten, zuvor füllte sie ihre Teroldegos als Cuvées aus verschieden Weinbergen ab. „Die Bewirtschaftung der Weingarten und die Weinbereitung auf biodynamischer Grundlage bringe die Unterschiede der einzelnen Terroir mittlerweile so gut zur Geltung, dass ich mich entschlossen habe, aus den Lagen Morei und Sgarzon jeweils einen eigenen sie ihren Entschluss. Dabei setzt sie 400 Liter fassende Ton-Amphoren ein. Die Traubenschalen bleiben so lange in den Amphoren, bis – meist im Mai – in den Weingärten die Blüte einsetzt. In Flaschen gefüllt werden die Weine kurz bevor der nächste Jahrgang geerntet wird. Das kraftvolle Ergebnis dürft nach Kirschen, Heidel- und Holunderbeeren, Pflaumen, Cassis und getrockneten Früchten, dazu würzigen Noten, und erdiger Mineralik. Am Gaumen schöne Fruchtvielfalt, elegantes Säurespiel, feine Tannine, würzige Noten und eine langer, fruchtig-mineralischer Nach-hell mit dezenter Bitternote.
17/20

2011 Teroldego Sgarzon IGT, Foradori
Der Weingarten Sgarzon liegt etwa einen Kilometer von Morei entfernt, aber hinsichtlich des Mikroklimas und des Bodens ist Sgarzon die Kühlere Lage. Die Rebstöcke sind mit rund 15 Jahren nur halb so alt wie die von Morei, weshalb dieser Wein etwas schlanker ist. Auch er wird im Amphoren ausgebaut. „Die Trauben haben die Energie des gesunden Bodens in sich, Material und Form der Amphoren stellen die Verbindung zwischen Kosmos und Erde her“ meint Elisabetta „Da die Amphoren, anders als Holzfässer, geschmacksneutral sind, bringen sie die Reinheit der Rebsorte und der Boden verstärkt zum Ausdruckt. „ Im Glas Aromen von Brombeeren, schwarzen Johannisbeeren und Holunderbeeren, florale, und würzige Akzente sowie eine deutliche Mineralik. Im Mund den deutlichen frucht, schönes Säurespiel, feine Tannine, würzige, mineralische Noten und ein langer, fruchtig-würziger Abgang.
17/20

2011 Teroldego Rotaliano, Foradori
Dies ist sozusagen der Einstiegswein im Teroldego-Sortiment von Elisabetta. Im Glas zeigen sich Aaromen von dunklen Beeren, Kirschen, Veilchen, dazu würzige und rauchige Noten mit einem Schluss Mineralik. Am Gaumen kraftvoll, dicht, mit kräftiger, feiner Frucht, würzig, animierende Säure, harmonische Tannine und ein länger, fruchtig-mineralischer Nachhall.
17/20

 

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